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Von ersten Herbstmomenten und Lebensgewurschtel.

Ich war noch nie ein Sommerkind. Ich mag zwar durchaus einige der Annehmlichkeiten, die diese Jahreszeit mit sich bringt  – wie zum Beispiel den Duft von frisch gemähten Wiesen, Himbeeren und Brombeeren aus Mamas Garten.  Warmen Rhabarberkuchen. Barfuß laufen im Gras. Und  diese langen Tage, an denen man noch bis spät Abends draußen sitzen kann und die Dunkelheit erst ganz langsam ab 10 Uhr hereinbricht. Aber doch spüre ich jedes Jahr aufs Neue eine große Freude, wenn die ersten Semptertage beginnen. Wenn die Sonne nicht mehr so unerbittlich ist, wenn sie sich nach den frühen Morgennebeln dann doch plötzlich zeigt, obwohl man gar nicht mit ihr gerechnet hätte. Warme Nachmittage, die ganz plötzlich ziemlich kalt werden, sobald die Sonnenstrahlen von hohen Häusern oder Baumwipfeln nicht mehr ihren Weg finden können, um Gesicht und Körper zu wärmen.  Dieses Jahr war der Spätsommer allerdings ein wenig kurz angebunden. Ganz plötzlich war es ziemlich kalt und bisweilen hatte man das Gefühl, schon mehr im Oktober zu stehen als im September. An einem dieser grauen verregneten Tage schnappte ich mir mein Buch, machte mir einen heißen Tee mit Hafermilch und blieb einfach noch eine Weile liegen. Im Bett zu liegen und den Regentropfen zuhören, die gegen die Fensterscheiben klopfen ist unglaublich beruhigend, das selbst ich einmal ruhig liegen bleiben kann ohne sofort das Bedürfnis zu verspüren, „etwas machen“ zu müssen. Dieses Jahr war so unglaublich spannend – aber auch arbeitsreich, das ich während der letzten Monate völlig vergessen habe, wie es überhaupt geht, sich zu entspannen. Nichts machen. Und das ist es wohl, was ich an diesen grauen Tage ganz langsam wieder erfühlen kann. Nur ganz leise, aber dennoch: Ruhe.

Gestern hatte ich meine letzte Septemberhochzeit an einem wunderschönen goldenen Spätsommertag. Fünf Hochzeiten kommen noch. Nächsten Monat fahre ich nach Berlin zur Keep it Real Hochzeitskonferenz und ich freue mich ganz viele befreundete Fotografen dort wiederzutreffen (und auf die Afterparty). Von Berlin aus geht es direkt  weiter nach Paris für ein After Wedding Shooting – und selbst wenn ich das gerade so schreibe und alles bereits gebucht ist, klingt es immernoch so, als würde ich über jemand anderen schreiben. Ich kann es kaum glauben, dass ich so spannende Abenteuer erleben darf. Aber jetzt greife ich schon voraus, obwohl das hier doch ein Blick zurück sein sollte.Was war also los im September neben ganz viel Arbeit, den ersten ruhigen leisen Momenten und sehr viel Vorfreude auf den Oktober? Ich wurde 30. Ehrlich, ich dachte, ich würde das ganze mit etwas mehr Coolness nehmen – aber mitnichten. Abschiede und Endgültiges sind für mich die härtesten Lektionen im Leben. Und zu wissen, dass die Zeit der 20iger nun vorbei ist – und zwar für immer – hat mir schon viel Gedankenmaterial verschafft. Und klar, man ist so alt wie man sich fühlt, es ist nur eine Zahl und ändern kannmanesehnichtblablabla. Aber doch: Es ist ein kleiner Meilenstein.

 

Ein paar Dinge sind nun zum größten Teil abgeschlossen: Studium. Die Suche nach dem Traumjob. Schlechte Partys. Die Frage, ob man komplett in die falsche Richtung läuft. Zumidest fühlt sich das bei mir so an. Vielleicht kommt so langsam ein klein wenig Sicherheit dazu. Oder die Erkenntnis: Das passt schon so alles. Nicht immer perfekt. Meistens holprig. Aber ich vermute so langsam, dass es genau so bleiben wird: Unperfekt und holprig. That’s life. Das ist hier ja alles ein Versuch, den wir leben – wir haben nur den einen und klar, wenn man dann mal das letzte Stündlein gekommen ist, man verdammt viele Fehler und ziemlich viel gelernt hat, würde man sicher im nächsten Leben so einiges anders machen. Doch da es relativ unsicher ist, ob man denn nochmal eine zweite Chance haben wird (und damit meine ich keine Wiedergeburt als Grashüpfer oder Meerschweinchen), sollte man sich mit dem Gedanken anfreunden, das es bei genau diesem einen Versuch bleiben wird. Aufhören zu glauben, dass es irgendwann einmal, wenn man nur noch dieses und jenes geschafft, gelernt und ertragen hat, alles viel viel perfekter sein wird. Weil es das nicht wird. Und auch nicht muss. Weil das Gewurschel hier und jetzt genau richtig und eben auch genau das Leben ist.
Das sind meine ersten Erkenntnisse in meinen jungen 30igern: Passt schon so alles. Einfach weiterwurschteln.

Wie sieht das bei euch aus? Seid ihr glücklich. Oder diese große Wort: Angekommen? Oder doch eher noch auf der Suche nach etwas bestimmten Unbestimmten.

 

 

Ein wenig Spätsommer.

 

Ende September.

 

Nude Postkarten von Omi aus Prag. Ich liebe liebe liebe die alten Analogfotografien.

 

Goodbye, ihr Vögel. Bis zum Frühling.

 

 

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© Foxografie

 

Kommentare

Liebe Caro,
um deine Frage zu beantworten: ich bin nun schon fast 33 und fühle mich ziemlich angekommen im Leben. Aktuell entwickelt sich vieles in die richtige Richtung und ich spüre eine innere Ruhe, die mich sehr erfüllt. Klingt sicher für dich schon ziemlich „alt“, aber ehrlich gesagt würde ich diesen Zustand gerne bis zum Ruhestand konservieren, weil es sich einfach so gut und richtig anfühlt. So fällt es mir auch leichter, schlechte Phasen und Hiobsbotschaften zu verkraften ohne dabei die Freude, Zuversicht und Hoffnung zu verlieren. Sicher habe ich auch Tage, an denen ich alles infrage stelle und mir überlege, ob ich wirklich auf dem richtigen Weg bin und ob mein hohes Sicherheitsbedürfnis mir nicht doch so manche Erfahrung verwehrt. Durchwursteln kenne ich da eher nicht, dafür habe ich zu oft Risiken gescheut.

Du siehst jeder hat so seinen ganz eigenen Weg mit Ü30 durchs Leben zu gehen. Was zählt ist doch, dass man sich insgesamt damit wohlfühlt und rückblickend in gleicher Weise handeln/entscheiden würde.
Ich wünsche dir einen zauberhaften Herbst, diese Zeit mag ich auch sehr. LG Silke

Vielleicht hast du mir da einiges Voraus. Vielleicht hast du aber auch Recht und es liegt einfach an den verschiedenen Wegen, auf denen man durch das Leben geht.
Und ja, man selber das Gefühl haben, dass es gut so ist. Vielleicht nicht immer. Auch nicht alles. Aber eben doch gut.

Dankeschön, das wünsche ich dir auch, Silke!
Bis bald!

Ach Caro, deine Art die Momente in Bilder zu fassen und dann solche Worte zu finden beeindruckt mich immer wieder 🙂 hoffentlich werden die 30er für dich eine schöne Zeit mit vielen gewurstelten Abenteuern 🙂
Liebe Grüße Dunja

Guten Morgen, liebe Dunja!
Dankeschön – haha, das ist doch mal ein Wort. Das wünsche ich dir dennoch auch 🙂

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