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„Du kannst die Welt nicht lieben wie sie ist – darum ist sie so.“

 

Diese buddistische Weisheit hörte ich von meinem Yogalehrer vor ein paar Wochen während eines Workshops. Seitdem hat mich die Bedeutung dieser Worte nicht mehr losgelassen und ich habe viel darüber nachgedacht. Im Workshop ging es darum, wie sehr wir uns darauf versteifen, alles um uns herum zur Verantwortung zu ziehen. Alles, außer uns. Der Lehrer ist schuld, dass wir die Klausur verhauen haben. Schließlich hat er uns nicht ordentlich vorbereitet. Und dämlich ist er ohnehin. Beim letzten Streit hat sich der Partner nicht mal entschuldigt – also mache ich das beim nächsten Mal gleich zwei Mal nicht. Ich krieche doch niemanden hinterher. Hat man ja wohl nicht nötig. Der Autofahrer vor uns wird beleidigt. Schließlich hat er es verdient. Ist euch schon mal aufgefallen, wie oft man davon redet, dass es ja „überall nur Idioten gibt“. Irgendwie sind die überall – Anwesende natürlich immer ausgeschlossen. Es sind immer die anderen. Und damit ist meist nicht mal jemand Spezielles gemeint, dennoch weiß aber immer jeder ganz genau, wer oder was da gemeint ist und nickt bekräftigend.
„Oh ja, das stimmt. Überall nur Deppen. Und es wird immer schlimmer.“

Einer der Gründe, weshalb ich nach einem gescheiterten Yogaversuch vor einigen Jahren nun doch noch einmal einen zweiten Anlauf gestartet habe, war unter anderem mein Yogalehrer (den ich wirklich sehr schätze. Er besitzt die bewundernswerte Eigenschaft, genau das Richtige zur richtigen Person zu sagen.), vor allem aber der Grundgedanke, sich auf das Innere, statt das Äußere zu konzentrieren. Denn das ist es, was man ändern kann. Den Blick auf das Leben ändern. Auf deine Mitmenschen. Ja, auch auf die Idioten. Den Kollegen, den man nicht ausstehen kann. Die Kassiererin, die sich mal wieder so dämlich anstellt. Denn wenn man die eigene Perspektive verändert, verändert man automatisch seine Umgebung. Freundlichkeit kommt mit Freundlichkeit retour. Ein Lächeln mit einem Lächeln. Ein Kompliment ist eine der am meisten unterschätzten Arten von Wertschätzung.  Das sieht man allein daran, wie überrascht so viele Menschen bei einem Kompliment reagieren. Oder rot vor Verlegenheit werden Manche wiegeln es komplett ab. „Aaaach, übertreib mal nicht!“ (Ja, mache ich auch gerne.) Und während ich das hier so schreibe, so klingt das doch alles absolut logisch. Doch die Schwierigkeit liegt hier viel weniger am Verständnis, als viel mehr an der Durchführung im Alltag. Also unseren 24 Stunden, mit denen wir einen Tag so füllen. Es ist leicht, kluge Zitate zu wiederholen und sie dann in einem Text auseinanderzunehmen und seinen eigenen Senf dazu zu geben. Verdammt schwer ist es aber, sich innerhalb dieser 24 Stunden an diese klugen Worte zu erinnern. In den entscheidenen Momenten. DAS ist die Kunst und gleichzeitig der Schlüssel.

Und wie viel schöner ist ein Leben, wenn um einen herum plötzlich viel weniger oder gar keine Idioten mehr herumlaufen. Wenn einem auffällt, das der unaustehliche Kollegege sich noch am Morgen mit seiner Frau gestritten hat und nur deshalb so schlechte Laune hatte. Es könnte auch sein, dass der Trottel, der einem gerade die Vorfahrt genommen hat, noch ein Fahranfänger ist und einfach  unsicher war. Die Kassiererin hat vielleicht eine kranke Mutter daheim und kann sich deshalb nicht richtig konzentrieren. Wie viel schöner wäre doch das Leben, wenn wir uns genau in den Momenten der Wut, des Zorns und der Ungeduld an genau diesen Satz erinnern: „Du kannst die Welt nicht lieben wie sie ist – darum ist sie so.“ Nicht wegen ihm. Nicht wegen ihr. Nicht wegen den Idioten da draußen. Sondern nur wegen dir. Doch wenn du einfach anfängst die Welt (und Welt kann hier alternativ mit „dein Leben / ihn / sie / weiß der Geier“) zu lieben wie sie ist, dann ist das nicht nur der Anfang, sondern auch gleichzeitig das Ziel.

Zell am See | Februar 2018

© Foxografie

 

Kommentare

Sehr schöner Text und so viel Wahres dran! Ich glaube, wenn viele Menschen nur Mal versuchen würden die Situation eines anderen zu verstehen und dass es eben ein Grund geben könnte warum er sich so verhält, dann hätten wir deutlich weniger Aufregmomente … Sich beschweren ist eben einfach. Klar gibt es dadurch vielleicht manchmal einen triftigen Grund, aber oft hilft das Jammern darüber niemandem, am wenigsten der Person selbst.
Deine Bilder sind toll. Am besten gefällt mir das mit den Halmen im Vordergrund, wunderschönes Licht 🙂

Dankeschön für deine Gedanken. Besser hätte ich es nicht formulieren können 🙂
Und vielen Dank für das Kompliment zu den Bildern, das freut mich sehr! <3

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