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And it’s always December, this last month of our human calender,
that leaves us counting those reminding days of the year.
Hoping too much. Enjoying too little.

 

Noch 20 Tage bleiben uns von diesem Jahr. Und obwohl ich sehr gut weiß, dass sich am 21. Tag nicht schlagartig alles ändert, nur weil sich eine einzige Ziffer in der Jahreszahl ändert, so fühlt es sich doch ein klein wenig so an. Wenn ich einen Moment die Augen schließe, sehe ich ein großes schweres Buch. Mit einem dunkelgrünen Einband, schon etwas abgegriffen, als hätten Hände es schon viele Male aus dem Regal und wieder hineingeräumt. Viele Seiten sind in dem Buch. Erinnerungen. Manche vielleicht von vor sechs Monaten, andere von gestern. Und während man sich mit Freunden zum Glühwein trinken trifft, sich den Kopf zerbricht, was man Papa zu Weihnachten schenken soll (und all den anderen), da sehe ich das Buch immer häufiger. Sehe, dass die wenigen verbliebenen Seiten bereits hoch aufgerichtet kurz davor sind, von alleine auf die Erinnerungsseite zu fallen, so wenig Gewicht verbleibt noch auf der Leeren.

Und gerade zum Ende eines Jahres hin, kommen die großen Lebensfragen auf dem Silbertablett zusammen mit ein paar Vanillekipfeln serviert –  “ob man glücklich sei” oder „wohin man gehen will“ – und was noch alles erreichen.   Vielleicht sollte man sich lieber beantworten, was man alles hat. Doch es ist ja so menschlich, sich immer wieder vorzuhalten, was man noch alles braucht.
„Wenn ich das endlich geschafft habe, bin ich zufrieden“. „Nur noch dieses eine, dann bin ich glücklich.“  Dieses trügerische nur noch. Lässt einen glauben, fast da zu sein und dann in einer Hängematte in der Karibik Mojitos for free zu trinken. Hoch glücklich natürlich.  Nach einem Ziel zu streben ist wohl einer der größten Motoren, die man haben kann. Die Gefahr ist nur, dass man dort ankommt und es sich gar nicht so anfühlt, wie man es sich die ganze Zeit zuvor ausgemalt hat. Vielleicht war es die ganze Zeit schon schön, nur hat man es gar nicht so richtig bemerkt, weil man ja so beschäftigt war, alles zu tun, um endlich in der Hängematte zu liegen. Natürlich soll es auch möglichst schnell gehen. Das soll es ja immer.

Im ersten Moment, kommen eben genau diese Dinge in den Kopf, wenn man die eigene Bestandliste macht: Das fehlt noch, das habe ich nicht geschafft, dies hier hast du verkackt. Typisch wir eben.  Menschen lieben es, sich wichtig zu nehmen. Als lebte man für die Ewigkeit in einem Supermankostüm. Deswegen posten wir auf Facebook, dass wir am Flughafen stehen und gleich für zwei Wochen Urlaub am Strand machen, zeigen auf Instagram, wie wir unseren Christbaum schmücken oder gerade den ersten Schnee genießen. Typisch wir. Wir sind doch besonders! Und immer denke ich dann an das große Universum, an die Abermillionen von anderen Sternen und Planeten. Die unzählbar vielen Galaxien. Ob es wohl andere Welten gibt? Ganz sicher. Irgndwo da draußen. Und dann denke ich an ein anderes Buch, den kleinen Prinzen und die weisen Worte darin.

 

»Ich suche Freunde. Was bedeutet ›zähmen‹?«
»Das wird oft ganz vernachlässigt«, sagte der Fuchs. »Es bedeutet ›sich vertraut miteinander machen‹.«
»Vertraut machen?«
»Natürlich«, sagte der Fuchs. »Du bist für mich nur ein kleiner Junge, ein kleiner Junge wie hunderttausend andere auch. Ich brauche dich nicht. Und du brauchst mich auch nicht. Ich bin für dich ein Fuchs unter Hundertausenden von Füchsen. Aber wenn du mich zähmst, dann werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzigartig sein. Und ich werde für dich einzigartig sein in der ganzen Welt …«

 

 

Und wenn man genau daran denkt. Wie klein unsere Erde ist und wie viel weniger wichtig die Entscheidungen, über die man sich oft wochenlang den Kopf zerbricht, da spüre ich, wie die Verantwortung, die man sich selber so gern tonnenschwer auf die eigenen Schultern gepackt hat, mit einem leisen Geräusch verpufft.  Alles ist, einfach so. Und deshalb frage ich mich gerade in diesen letzten Tagen und für die letzten Seiten in meinem Buch nicht, wohin ich gehen will. Sondern was schön ist an meinem Weg. Bin dankbar für Herzenmenschen, die einen einzigartig machen. Gezähmt. Dankbarkeit, statt Superman. Und natürlich lässt sich das leicht sagen, wenn man ein gutes Jahr hatte. Vieles gut war. Aber genau dann, wenn man das Gefühl hat, vieles nicht geschafft zu haben und vielleicht sogar etwas komplett in den Sand gesetzt hat: Auch das ist gut. Nie lernst du so gut über die selbst, wie in den Momenten, in denen du so richtig auf die Schnauze fällst. Nach jeder Beziehung die zu Ende ging, habe ich etwas mehr verstanden. Jeder Job, den ich scheiße fand und irgendwann aufgab (oder aufgegeben wurde), hat mir gezeigt: Ok, nicht da lang. Wechsle die Richtung!  Und das ist gut.  Mach die Dinge, die du tun willst, weil du sie tun willst und nicht um des Tuns willen. Nur hör auf dabei ständig auf die Uhr zu sehen. Sei lieb zur dir. Und denk dran, wenn du auf der letzten Seite ankommst: Es ist nur ein Buch. Es ist alles nicht so wichtig wie du glaubst.

 

Favourite Song of the month – You saved my soul

 

 

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© Foxografie

Kommentare

Liebe Caro,
das lange warten auf einen neuen Text hat sich gelohnt würde ich sagen! ich finde mich immer wieder in deinen Gedankengängen wieder. Und der kleine Prinz ist wirklich etwas sehr besonderes, die von dir herausgesuchte Textstelle sowieso. Es ist wohl ein priveleg wenn einen Menschen so lange begleiten und so sehr ans Herz wachsen und dabei doch oft weit weg von perfekt sind, denn darum geht es am Ende ja gar nicht. Oftmalls erinnert man sich ja auch an die Schrullen und kleinen Macken des anderen.
Ich glaube das Gefühl kurz vorm großen Glück zu stehen kennen wir alle gut. Vielleicht ist das auch der Grund warum zur Zeit alle die Schweden und Dänen mit ihrem Hygge-Lebensgefühl so hypen, weil wir uns auch danach sehnen im Moment angekommen und glücklich zu sein (ohne das dabei alles perfekt sein muss). Mir persönlich fällt das auf jeden Fall extrem schwer… Aber mehr glücklich sein, ist doch auch mal ein guter Vorsatz für 2018 😉

Liebste Grüße und danke danke danke für deine Texte auch wenn ich nicht immer etwas dazu schreibe ich liebe jeden einzelnen.

Oh wie sehr habe ich mich gerade über deine liebe Nachricht hier gefreut. ♥

Ich glaube sogar sehr, dass all die „Schrullen und Macken“ einen großen Teil von dem ausmachen, wofür wir geliebt werden. Nicht von jedem – aber von den Wichtigen. Ich hoffe sehr, du kannst von schönen Gefühlen eine große Ladung mit ins das neue Jahr mitnehmen und die Dinge gleich dort zurücklassen, die dich daran hindern, zufrieden zu sein.

Vielen Dank zurück für deine Zeit und liebe Grüße an dich, Kathrin!

Ein toller Text, in dem so viel Wahres steckt! Den werd ich mir kurz vorm Jahresende nochmal durchlesen, so als kleine „Einstimmung“ aufs neue Jahr, und um das alte zu rekapitulieren. Und wunderschöne Fotos! 🙂

So lieb, danke Tessa!<3
Haha, das klingt nach einem guten Masterplan.

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